ARGE Heimatforschung

Heimatmuseum Rother Hof Pottendorf

Streik

Zitiert aus dem Heft der Sonderausstellung im Rothen Hof:
DIE POTTENDORFER SPINNEREI 1801 – 1976: Aufstieg – Glanz – Ende
Zur Spinnerei, Schlagworte aus der Pfarrchronik: v. Herbert Vouillarmet
(Die Ausstellungsbroschüre erhältlich im Heimatmuseum Rother Hof)

STREIK !!!
1846 berichtet Pfarrer Wenzl von großer Arbeitslosigkeit und starker Teuerung. Not und Jammer herrschen in der Bevölkerung von Pottendorf.
1865 Die Spinnerei spendet 100 Gulden für den Ankauf einer neuen Orgel.
1885 zählte der Pfarrer 1288 Kommunion in der Osterzeit (Ostersonntag bis Pfingsten), die Schulkinder wurden in dieser Zählung nicht mitgerechnet. Da die Katholiken zu dieser Zeit nur einmal im Jahr zur Kommunion gingen, darf angenommen werden, daß darunter auch Arbeiter der Spinnerei waren,
1889 sind es bereits 2244 Kommunionen im selben Zeitraum.
März 1890. In der Landegger Au hielten Agitatoren eine Versammlung ab, mit dem Ziel, die Arbeiter zum Streik zu bewegen. Der Bürgermeister von Landegg und die Gendarmerie zerstreuten die Versammlung.
Sonntag, 13. April 1890. Gegen 800 (?) Männer versammeln sich im Saal der Fam. Baumgartner. Auch Frauen von Pottendorf und der Umgebung waren anwesend. Herr Schuhmaier war der Sprecher in Gegenwart von Bezirkshauptmann Graf Clary und dem Direktor der Spinnerei. Forderungen: 40% Lohnerhöhung und Wohnungsgeld für jene, die nicht in den Fabrikshäusern wohnen.
Drohung: Wenn bis 26. April keine Zusage kommt, wird die Arbeit eingestellt. Noch am selben Tag kamen um 2 Uhr Nachmittag „Dragona“ von Wr. Neustadt zum Schutz der Fabrik.
Da jede Zusage ausblieb, wurde die Arbeit eingestellt.
Am Montag in der Früh gab es um 5,30″ das Zeichen in der Fabrik zum Arbeitsbeginn. Die Meister gingen hinein, die Arbeiter blieben draußen. Auf das zweite Zeichen folgte nur Gelächter. Die Arbeiter gingen. Die meisten von ihnen in die Kirche, das Militär rückte ab. Tagsüber war alles ruhig, in der Nacht brannte aber die ganze Zeit das Gaslicht. Arbeiter bildeten ein Ordnungskomitee und bewachten die Fabrik. Fremde wurden nicht geduldet. „Dienstag und Mittwoch war alles so wie am Montag“
Die Spinnereidirektion entließ die Führer des Streiks und forderte sie auf, die Wohnungen innerhalb von drei Tagen zu verlassen. Dadurch werden ca. 40 Arbeiter eingeschüchtert. Sie beginnen am Donnerstag wieder mit der Arbeit. „Als in Wien die Arbeiter marschierten wurde in Pottendorf wieder gearbeitet.“ Alle Aktivisten an dem Streik wurden entlassen.
Folgen des Streiks:
Erhöhung des Krankengeldes
Strafen vermindert

Die Arbeiter der Börtelfabrik haben sich nicht an dem Streik beteiligt, da Herr Ritter den Männern 15% und den Frauen 10% Lohnerhöhung gewährt hatte.

Die Fabriksherren der Umgebung bildeten ein Kartell gegen die Arbeiter. Die Leitung übernahm Reichsrat Abgeordneter Freiherr von Fächer aus Sollenau. Treffpunkt war täglich im Gasthaus Pösl.
Von Siegersdorf geht ein Winkelverein aus, der sich auch unter den Arbeitern verbreitet: „Jeder verpflichtet sich unter 2 x Strafe nicht in die Kirche zu gehen.“
Zwischenkriegszeit:Viele Arbeitslose in Pottendorf. Die Caritas verteilt Kleider, Anzüge, Schuhe, Lebensmittel und Holz zum Heizen. Es kommt zu Spannungen zwischen Arbeitern und Vertretern der Kirche.
15. und 16. Juli 1927 „Wiener Unruhen“ Kein Arbeiter darf etwas tun – Streik. Es erscheint eine Liste all jener, die man aufhängen will. An zweiter Stelle wird Pfarrer Schmid genannt. Der Kindergarten soll zerstört werden, die Kirche will man anzünden.

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