Katastralgemeinde Siegersdorf
18.3 CHRONIK VON SIEGERSDORF Zwei Kilometer westlich von Pottendorf liegt die Ortschaft Siegerdorf. Sie grenzt im Süden an Haschendorf—Ebenfurth, im Westen an Groß-Mittel— Sollenau, im Osten an Pottendorf und im Nordwesten an Blumau— Neurißhof.
Siegersdorf liegt auf 222 Meter Seehöhe und hat nach dem Stande vom l. September 1986 521 Einwohner mit 198 Häusern und eine Fläche von 14.75 Quadratkilometern. In der Topographie von Niederösterreich, von Schweikhart-Sickingen vom Jahre 1833, hat Siegersdorf eine landbäuerliche Bevölkerung mit 53 Familien, insgesamt 214 Personen, davon waren 116 Männer, 113 Frauen und 45 Schulkinder. Außerdem gab es damals in Siegersdorf 43 Pferde, 34 Zugochsen, 62 Kühe und 400 Schafe. Die damalige Poststation war in Wimpassing an der Leitha. In einer Beschreibung von Ebenfurth 1853 von Karl Bednarik wird Siegersdorf ein Schuldorf genannt und hatte 40 Häuser und 316 Einwohner. Siegersdorf gehörte zur Pfarre Ebenfurth, zum Dekanat Weigelsdorf, zur Bezirkshauptmannschaft Wiener Neustadt. Ab 1897 gehörte Siegersdorf zur Bezirkshauptmannschaft Mödling, ab 1939 zu der von Baden und zum Gerichtsbezirk Ebreichsdorf. Seit 1972 ist Siegersdorf in die Großgemeinde Pottendorf eingemeindet.
Der Name Siegersdorf auch Siegreichsdorf oder Sighartsdorf stammt aus der Zeit der Babenberger. Er soll sich von dem Markgrafen Adalbert dem Siegreichen (1015—1038) ableiten. Damals hat Adalbert und sein Feldherr Azzo von Gobatsburg (das war der Stammvater der Kuenringer) die Ungarn in der Gegend von Siegersdorf besiegt. In der Schulchronik kann man lesen: „In Haschendorf haben wir den Feind erhascht und in Siegersdorf besiegt.“ Nach einer anderen Version der Namensklärung soll der Name „Siegersdorf‘ von dem Namen Sigihart herrühren, die Bezeichnung Siegreichsdorf sei eine Neubildung aus der frühen Romantik. Nach dem Ebenfurther Urbarium von 1558—1569 war einst an der Stelle der Tagnitz-Au, das ist der Ursprung der Fischa-Tagnitz, ein langes Dorf, das auch Taggnis, Taigis, Dagmütz, Taigniz oder Taignitz genannt wurde und zur Pfarre Ebenfurth gehörte. Der Ort verödete und hieß dann Öden- dorf. Die Tagnitz-Au wurde zur „Weingartenwiesen“ und liegt zwischen Eggendorf und Haschendorf. Hier ist der Ursprung der großen Fischa, auch Vischaha oder Fischkaha genannt. Zahlreiche Reihenhöfe in Siegersdorf sprechen für eine fränkische Siedlungsform. Aus der Zeit der Herren von Pottendorf (1100—1488) gibt es öfters Nennungen von Siegersdorf. Im Jahre 1295 kauft Konrad II. von Pottendorf von Frau Adelheid von Reinsberg deren Besitzungen in Ebenfurth, Sieghartsdorf und Hirsdorf (?). Bei einer Teilung des Besitzes der Herren von Pottendorf Albrecht II., Friedrich III. und Heinrich VII. am 28. Jänner 1367 erhielt Albrecht II. von Pottendorf Güter zu Haschendorf, Sieghartsdorf, Wampersdorf, Landegg und Leobersdorf. In einem Manu- skript des Herrn Schuldirektors Schweiffer findet sich folgende Notiz zu Siegersdorf: „Im Jahre 1810 lehnte es die Gemeinde Siegersdorf ab, einen Beitrag zur Erhaltung eines Pfarrers beizutragen. Die Herrschaft Ebenfurth sei schuldig, einen Pfarrer für Siegersdorf allein zu erhalten.“
Gem. Pottendorf. Polit. Bez. Baden