Schule Siegersdorf
Schon zur Zeit von Kaiser Josef II. (1741—1790) werden in der Schulchronik von Siegersdorf Schullehrer genannt. Im Hause Siegersdorf 22 wohnte der erste Schullehrer N. Lichtenegger. Er war von Beruf Schuhmachermeister. In der damaligen Zellmayer’schen Mühle in Siegersdorf No. 38 wohnte der zweite Schullehrer namens N. Braunstätter. Der dritte Lehrer war N. Reichert im Hause 21 in der Zeit von 1818—1823. Das Schullokal bestand aus einem Lehrzimmer, das zugleich die Wohnung des Lehrer war. Das Inventar eines solchen Schulzimmers war einfach. Eine Schultafel, zwei Tische, zwei Knabenbänke, zwei Mädchenbänke und das Bett des Lehrers waren das ganze Inventar. Der Lehrer Reichert ging von Haus zu Haus in die Kost, aber nur in jene Häuser, deren Kinder Unterricht bekamen. Bei einem Schulkind von einem Haus wurde er einen Tag verköstigt, bei zwei Kinder zwei Tage usw. Im Winter mußten die Kinder zur Beheizung des Schulzimmers Holz mitbringen. Der vierte Schullehrer war N. Schmiedt, er war der erste, der im alten „Gemeinde-Schulhäusl“, Siegersdorf No.25, unterrichtete. Es war dies das erste Schulhaus, das auf Kosten der Gemeinde Siegersdorf erbaut wurde. Der fünfte Lehrer war N. Latz und der sechste hieß N. Enzmann. Die sechs genannten Lehrer waren alle Privatlehrer. Erst der siebente Lehrer, er hieß Josef Willig, war von 1839—1874 als gesetzlich anerkannter Lehrer in Siegersdorf tätig. Er übersiedelte in das Schulhaus No. 35, später No. 41. Er war 35 Jahre lang Lehrer und ging 1874 in Pension nach Pottendorf, wo er 1876 starb.
Die Schulgründung in Siegersdorf war 1846, die Eröffnung erfolgte am 16. September 1847. Damals waren die Kinder der Orte Haschendorf und Siegersdorf nach Ebenfurth eingeschult. Siegersdorf erhielt eine eigene Schulerlaubnis ab 1846 zufolge kreisämtlichen Erlasses vom 21. Oktober 1847. Schuldistriktsaufseher war Dechant Ignaz Wenzel aus Pottendorf. Diese Schule wurde von 70 Wochen- und 30 Sonntagsschülern besucht. Bisher war ganztägiger Unterricht, seit 1848 gab es Halbtagsunterricht. In den Jahren 1873—1885 gab es durchschnittlich 58 bis 78 Schulkinder. Damals gab es eine Oberklasse für die Großen und eine Unterklasse für die Kleinen. 1853 waren in Siegersdorf 70 Schüler, 40 Häuser und 316 Einwohner. Im Vergleich dazu waren 1947 (also 100 Jahre später) 40 Schüler, 103 Häuser und 430 Einwohner. Im Jahre 1894 war der Höchststand der Schülerzahl in Siegersdorf mit 119. Ab 1900 nahm die Schülerzahl stetig ab. Seit 1847 besuchten auch die Haschendorfer Kinder die Schule in Siegersdorf. Der Schulbeginn war stets am l. April (wegen wärmeren Wetters um diese Zeit). Das erste Halbjahr war vom 1. April bis 1. November, das zweite Halbjahr von November bis 1. April eines jeden Jahres. Der jeweilige Dechant war der Schuldistriktsaufseher (so wie der heutige Bezirksschulinspektor).
Am 30. Mai 1944 erhielt die Schule einen schweren Bombentreffer und es mußte der Unterricht in das Haus No. 43 verlegt werden. Erst am 27. September 1948 konnten die Kinder wieder in das aufgebaute Schulhaus einziehen. Die Renovierungskosten für die Schule betrugen 143.831 Schilling. In den Jahren 1963—1965 wurde mit einem Kostenaufwand von 2 Millionen Schilling ein ganz neues Schulgebäude mit einem Lehrerhaus errichtet. Die Einweihung der neuen Schule war am 4. September 1966.
