ARGE Heimatforschung

Heimatmuseum Rother Hof Pottendorf

Schule Landegg

Das Zollhaus mit der Conskriptions-No. 48 in Landegg lag am südlichen Ende von Landegg gegen die frühere ungarische Grenze, welche die Leitha bildete.

Im Jahre 1848 wurde die Zollinie aufgehoben und das Zollhaus zu anderen ärarischen Zwecken verwendet, zuletzt diente es als Wohngebäude für die k.u.k. Finanzwache. Später wurde das Zollgebäude zum Verkauf angeboten. Von diesem Angebote nahmen die Väter und Vorsteher der Gemeinde Landegg erwünschten Anlaß, um dieses Haus zu ihrem schon längst gehegten Plan, zur Gründung einer Volksschule im Orte selbst, käuflich zu erwerben. Aus Gemeindemitteln wurde der Ankaufspreis von 1.800 fl. ö.W. an das k.u.k. Ärar bezahlt. Auch wurden von der Gemeinde bedeutende Geldmittel zur Adaptierung des Schulgebäudes zur Verfügung gestellt. In dieses zum Schulhaus umgestaltete Gebäude gelangt man von der „Heerstraße“ (laut Schulchronik) durch die Haupttüre, links befindet sich das durch sechs Fenster reichlich erhellte Lehrzimmer, welches alle für eine Volksschule erforderlichen Lehrmittel enthält und worin an der Vorderseite das Bild des Erlösers am Kreuze und an passender Stelle das Bild von Kaiser Franz Josef I. angebracht sind. Rechts, unmittelbar an der Eingangstür, wurde die erste Stube zur Gemeindekanzlei eingerichtet, weiter im Hinter- grunde, ebenfalls rechts, gelangt man in die Lehrerwohnung durch eine Küche in zwei zusammenhängende Zimmer, wovon zwei Fenster des vorderen Zimmers an der Front gegen die Hauptstraße gerichtet sind. Ebenso enthält das Gebäude einen Keller, eine entsprechende Speisekammer und eine Gemüsekammer. Von der Rückseite des Gebäudes gelangt man auf den Turnplatz, zur Obstbaumschule und zu dem ganz entsprechenden Obst- und Gemüsegarten des Schullehrers. Baumschule, Turnplatz und Obstgarten sind mittels eines praktischen und ebenso zierlichen Holzgitters gegen außen abgeschlossen. Bevor noch der jetzige Schullehrer an seinem neuen Posten anlangte, hatte der Gemeinde- und Schulrat dafür vorgesorgt, die Lehrer- wohnung recht nett und wohnlich einzurichten, sämtliche Wohnbestandteile wurden bemalt und alle anderen Räumlichkeiten, besonders die Lehrstube, rein und nett getüncht.

Das Eröffnungsfest dieser Schule wurde am 7. Oktober 1871 in erbaulicher Weise begangen, das Dörfchen, die Kirche und die Schule waren mit schwarz-rot-goldenen, schwarz-gelben, weiß-roten und weiß-blauen Fahnen beflaggt. Am frühen Vormittag des 7. Oktobers versammelte sich die gesamte Schuljugend im Schulhaus und wurde um 9 Uhr von dem Gemeinde- und Schulrate, dem Schullehrer, vielen anderen Schulfreunden und fremden Gästen zur Kirche geleitet. Dort wurde durch den Pottendorfer Herrn Kooperator ein feierliches Hochamt und ein Te Deum abgehalten. Danach bewegte sich der Zug in das neugegründete Schulhaus, in welchem eine feierliche, vierstimmige, für dieses Fest ganz passende Hymne abgesungen wurde. Dann sprach der Schüler Rudolf Huber dem gewesenen Oberlehrer von Pottendorf, Josef Schöppel, Landegg war ja bisher nach Pottendorf eingeschult, in warmen Worten den tiefgefühlten Dank für seine Mühen, seine liebevolle und segensreiche Leitung und Führung der gesamten Schuljugend von Landegg aus. Herr Oberlehrer Schöppel sprach in kurzer Erwiderung seine Zufriedenheit und Aufmunterung seinen gewesenen Schülern gegenüber aus. Nachdem nun auch der Obmann des Ortsschulrates, Herr Ferdinand Braunbeck, und der Bürgermeister Herr Franz Huber, zu der versammelten Schuljugend gesprochen hatten, hielt Herr Kooperator von Pottendorf Eduard Gaugusch als Katechet die Schlußrede, in welcher er die Bedeutung der Volksschule hervorhob und die gesamte Schuljugend zu Fleiß und Eifer aufmunterte. Nachher wurde die Volkshymne abgesungen. Somit waren der wesentliche Teil dieses Tages und die Feierlichkeiten vollendet und sicher werden sich alle Schulfreunde und die Bewohner von Landegg auch in späterer Zeit an diesen Tag freudig erinnern.

Der erste Schulleiter an der neuerrichteten einklassigen Volksschule mit ganztägigem Unterricht war Anton Größinger, geboren am 15. November 1843 in Mannersdorf, Bezirk Bruck an der Leitha. Er heiratete 1872 Auguste, geborene Lang, wohnte im Schulhause Landegg 48 und starb am 11. Novem- ber 1918.

Als erste Industrielehrerin wurde Fräulein Magdalena Thornton angestellt.

Im Schulgebäude waren außer der Lehrerwohnung auch die Gemeindekanzlei untergebracht. Der jeweilige Lehrer füngierte auch als Gemeindesekretär.

1871 besuchten 64 Kinder die Volksschule. Im Jahre 1890 wurden zwei Zimmer an das Schulhaus angebaut. 1905 wurde die Schule zweiklassig geführt, da die Zahl der schulpflichtigen Kinder auf 103 gestiegen war. Bis ins hohe Alter wirkte Anton Größinger als Oberlehrer dieser Schule. Die Volksschule Landegg wurde am l. September 1939 auf Grund eines Gemeinderatsbeschlusses der Pottendorfer Volks- und Hauptschule eingegliedert. Mit dem Erlaß des Bundesministeriums für Unterricht vom 11. Septembe 1939 erfolgte die Stillegung der Schule. Die Landegger Kinder mußten wieder in der Nachbargemeinde Pottendorf den Unterricht besuchen.

aus: HERTZKA, Rudolf: Chronik der Grossgemeinde Pottendorf

 

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