Die Fabriksschule 1805 – 1888
Die Fabriksschule entwickelte sich aus dem im Jahre 1802 gegründeten Kinderinstitut der Baumwollspinnerei. Diese Schule in der Spinnerei wurde 1805 errichtet; Die Fabrikseigentümer wurden auf Grund der Hofverordnung vom 8. Feber 1787 verpflichtet, den in ihrem Betrieb arbeitenden Kindern den vorgesehenen Unterricht angedeihen zu lassen. Der Schulleiter, ein vom Kreisamt geprüfter Lehrer namens Johann Michael Kraupp wurde verpflichtet (laut Dekret über seine Anstellung aus dem Jahre 1805), den Kindern täglich eine Stunde, Samstags zwei Stunden und Sonntags nach der Christenlehre eine Stunde Unterricht zu erteilen. Der Ortspfarrer oder der Cooperator erteilte den Kindern ein Mal wöchentlich Religionsunterricht. Die übrige Zeit waren die Kinder in der Fabrik beschäftigt. Dem Lehrer Johann Michael Kraupp, der auch als Schreiber in der Fabrik tätig war, standen die Lehrer Josef Grünzweig, Franz Zisser und Kaspar Weiss zur Seite. Die Fabriksschule bestand ursprünglich aus zwei Klassen, die in drei Abteilungen mit ungefähr 242 Kindern geführt wurden.
1822 ist das Pottendorfer Kinderinstitut (wie es zum Kinderinstitut kam, bitte unter Kinderarbeit nachzulesen) aufgelassen worden, nachdem man 1821 die Zahl der Kinder auf 100 verminderte. Im Jahre 1822 gab es in Pottendorf zwei Schulen, eine Marktschule und eine Fabriksschule. Diese Schule war im Gebäude des aufgelassenen Kinderinstitutes (jetzt Direktionshaus) untergebracht; diese Räume wurden teils für die Schule und teils für Magazine verwendet. Die Fabriksschule bestand aus drei Lehrzimmern, in welchen vier Lehrer, die zugleich in der Fabrik als Schreiber verwendet wurden, unentgeltlichen Unterricht erteilten.
Im Jahre 1845 wurde die Leitung der Fabriksschule dem Oberlehrer der Marktschule Franz Umlauf übertragen. Zu dieser Zeit wurden die Marktschule und die Fabriksschule in Personalunion geführt. Franz Umlauf ließ sich durch zwei Schulgehilfen vertreten, da der doppelte Dienst zu viel für ihn war. Franz Umlauf starb 1852.
1849 kam es zu einer Reorganisation der Fabriksschule. Sie wurde vom Direktionshaus (früher Hennebergplatz 3 jetzt Nr. l) in das umgebaute Appreturlocal der Spinnerei verlegt und erhielt neue Räume.
Ein eigener Fabriksschulleiter wurde bestellt, es war dies Josef Gröger. Er kam 1849 als Lehrer in die Fabriksschule. Josef Gröger wohnte am Hennebergplatz 2 (Konskriptionsnummer 129) und ging 1879 in Pension. Er starb 1882. Josef Gröger mußte wöchentlich 36 Stunden Unterricht erteilen und erhielt jährlich 600 Gulden inklusive Naturalquartier von der k.k. Baumwollspinnerei. Er unterrichtete die drei Abteilungen allein und zwar hatte jede Abteilung täglich zwei Stunden Unterricht. Die erste von 8—10 Uhr, die zweite von 10—12 Uhr und die dritte von 14—16 Uhr.
Bemerkenswert ist, daß im gleichen Jahr (1849) auch eine Fabrikskinderbewahranstalt für Kleinkinder geschaffen wurde.
Um 1870 ging die Kinderzahl in der Fabriksschule stark zurück, während diese in der Marktschule stark zunahm.
Als Gröger 1879 in Pension ging, war auch die Zeit der Fabriksschule vorüber.
aus: HERTZKA, Rudolf: Chronik der Grossgemeinde Pottendorf