ARGE Heimatforschung

Heimatmuseum Rother Hof Pottendorf

Die Bürgerschule bis 1928

Nach der Gründung der Pottendorfer Baumwollspinnerei wurde aus dem Ort der Handwerker und Bauern ein Industrieort.

Zunächst gab es in Pottendorf zwei Schulen, die Markt- und die Fabriksschule.

Die Marktschule war zunächst einklassig. Die Klasse war überfüllt. Sie wurde in drei Abteilungen geführt. Die erste umfaßte 234, die zweite 90 und die dritte 35 Kinder. Anfänger wurden zu Ostern und Allerheiligen aufgenommen. Da die kleine Marktschule in Pottendorf die große Zahl der Kinder nicht fassen konnte, mußten die Schüler in anderen Gebäuden Unterricht bekommen. Sowohl im Hause Konskriptionsnummer 94 im sogenannten Göstl’schen Haus als auch im Haus nebenan, im Gasthaus zur „Kaiserkrone“, später zur „Krone“ Hauptstraße 1 ( Konskriptionsnummer 95), wurde Unterricht erteilt. Im Göstl’schen Haus wohnte Schuldirektor und Lehrer Josef Schöppl, geboren am 15. Jänner 1813, verheiratet mit Gattin Therese und starb am 15 Mai 1885. Er war auch Komponist von zahlreichen Liedern. 1871 beschloß der Gemeindeausschuß unter Bürgermeister Josef Pallisch, an Stelle des alten (ersten) Schulhauses am Kirchenplatz 5 (Konskriptionsnummer 65), ein neues Schulgebäude zu errichten.

Am 24. Juni 1874 wurde mit dem Neubau am Platze der vorher niedergerissenen alten Schule begonnen. Gleichzeitig wurde die indes fünf Klassen stark gewordene Volksschule in eine acht Klassen starke Volks- und Bürgerschule für Knaben und eine mit vier Klassen für Mädchen geteilt. Als Schulgebäude für die Knaben wurde das Haus Hauptstraße 15 = Konskriptionsnummer 102, der sogenannte „Reisenhof“, das frühere Gemeindehaus, bestimmt. Am 14. Juni 1908 wurde die Widmung des ganzen Gemeindehauses für Schulzwecke beschlossen. In der neuen Mädchenschule am Kirchenplatz 5 waren im ersten Stock vier Klassen, ebenerdig die Wohnung für den Oberleherer und zwei Lehrkräfte. 1882 wurde die Mädchenschule fünf Klassen, 1890 sechs Klassen stark, Langjährige Direktorin der Mädchen Volksschule war Wilhelmine Melzer, geb. 1863, gest. 1932. Sie war Ehrenbürgerin von Pottendorf. Wegen der großen Schülerinnenanzahl in den Jahren 1908—1917 wurde die fünfte Klasse in zwei Klassen geteilt. Diese Teilung wurde 1918 wegen Lehrermangels wieder aufgehoben. So lange die fünfte Klasse aus zwei Abteilungen bestand, befand sich ein Lehrzimmer im heutigen Gemeindehaus Hauptstraße 11 (Konskriptionsnummer 100), früher Riedl“-Haus. Laut Grundbuch ist das Riedlhaus in der Hauptstraße 11 seit 11. März 1903 im Besitz der Gemeinde Pottendorf. Es ist das gegenwärtige Rathaus. Friedrich Glöckel, geb. 1845 in Ödenburg, gest. 20. August 1918, begraben in Pottendorf, war um 1876 als Volksschullehrer tätig. Er wohnte in der Esterhazystraße l.

Im Schulhause Hauptstraße 15 war am 8. Feber 1918 Otto Friedrich Glöckel, der Sohn von Friedrich Glöckel, geboren worden. Er war wie sein Vater Lehrer. 1897 wurde er wegen seiner politischen Tätigkeit als Lehrer in Wien enthoben. Später war er Schulreformer, Unterstaatssekretär und zweiter Stadtschulratspräsident. Er starb in Wien 1935. Um die Jahrhundertwende wirkte Eduard Steiner, geb. 1832, gest. 1909, als Volksschuldirektor und Organist an der Volksschule in Pottendorf. Seine Tochter Emma Steiner heiratete am 8. Feber 1902 Med.-Rat Dr. Karl Swoboda. Um die gleiche Zeit war auch als Volksschuldirektor und Oberlehrer Johannes Heigl, geb. 1858, gest. 1935, tätig. Eduard Steiner und Johannes Heigl waren beide Ehrenbürger der Marktgemeinde Pottendorf. In der Bürgerschule unterrichteten Direktor Theodor Walter und die Lehrer Michael Ronacher und Karl Lindner. Seit 1911 durften auch Mädchen die Knabenbürgerschule besuchen. 1918 gab es ein Ansuchen der Gemeinde um Errichtung einer Mädchenbürgerschule.

1928 wurde der Neubau einer modernen Volks- und Bürgerschule beschlossen.

aus: HERTZKA, Rudolf: Chronik der Grossgemeinde Pottendorf

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