Von der Vorzeigeschule über Seidenraupenzucht, Einquartierung und Militärspital bis
Unsere Schule in den Kriegsjahren
Nach dem Anschluß 1938 war Ferdinand Hude und 11 Lehrer in der Hauptschule und 6 Lehrer in der Volksschule tätig. Die Schülerzahl betrug im Schuljahr 1938/39 in der Hauptschule 305 und in der Volksschule 266 Kinder.
1940 war Stefan Wistermayer Direktor der Schule.
In der Kriegszeit 1939—1945 bestand in der Schule eine Seidenraupenzucht, die 600 Maulbeersetzlinge umfaßte. Durch die Kriegsereignisse, so zum Beispiel Detonationen von Fliegerbomben und dgl. wurde die Raupenzucht zerstört und wie der beschädigte Kräutergarten 1945 aufgelassen.
1938 waren in der Schule deutsche Soldaten einquartiert. Während des Krieges waren im Festsaal 80 französische Kriegsgefangene untergebracht. Am Ende des Krieges lagerten ungarische S. S.-Truppen in der Schule.
1944 war Ludwig Paulik Schuldirektor.
Am 30. Mai 1944, bei dem schweren Bombenangriff auf Pottendorf wurde die Schule nicht getroffen. Die Schulkinder überlebten glücklicherweise mit vielen Pottendorfern das Bombardement im Keller der Spinnerei, der dem Inferno standhielt. Damals fiel der Unterricht für zwei Wochen aus.
Am 2. April 1945 war Einmarsch der Russen in Pottendorf.
Nach der Besetzung von Pottendorf durch russische Sodaten wurde in der Schule ein russisches Militärspital eingerichtet. Schon am 26. April 1945 wurde der Unterricht wieder aufgenommen, doch nur für kurze Zeit. Am 1. Mai 1945 mußte die Schule wieder geräumt werden, da es abermals zur Einquartierung von russischen Soldaten kam. Den Schulkindern wurde nun in Ausweichsklassen Unterricht erteilt. Der Unterricht erfolgte in Gasthäusern und in einer Werkstätte. Schulleiter war damals Ludwig Paulik, Lehrer waren außer Ludwig Paulik Fritz und Irma Hellmer, Maria Neunteufel, Emma Dinti, Marianne Schöppel und Henriette Fürpaß.
1945 besuchten 266 Schulkinder die Volksschule und 90 die Hauptschule.
Im Schuljahr 1945/46 waren die erste und zweite Hauptschulklasse im Kaffeehaus Heiss in der Hauptstraße und die dritte und vierte Hauptschulklasse im Gasthaus Wappel in der Wiener Neustädter Straße untergebracht. In diesen Ausweichklassen der Hauptschule waren folgende Lehrkräfte für den Unterricht zuständig: Aurelia Lutz, Herta Gruber, Alois Lutz und Ludwig Paulik.
In der Volksschule waren in der ersten Klasse Marianne Schöppel im Gasthaus Bieler in der Esterhazystraße 21,
in der zweiten Klasse Fürpaß Henriette im Gasthaus Raditsch in der Hauptstraße,
in der dritten Klasse Neunteufel Marie auch im Gasthaus Raditsch,
in der vierten Klasse Fenk Hermine im Gasthaus Bieler,
in der fünften Klasse Dinti Emma im Gasthaus Freiler in der Hauptstraße und in der Werkstätte der Fa. Mücke,
in der sechsten Klasse Hochreiter Hermine, ebenfalls im Gasthaus Freiler und in der Werkstätte Mücke als Lehrkräfte tätig.
Im September 1945 mußten im Gasthaus Raditsch die Klassen wieder geräumt werden, da darin eine Ausspeisungsstelle für das russische Militär eingerichtet wurde.
Vom 28. Juli bis 10. September 1945 wurden alle Lehrkräfte, soweit sie Parteimitglieder waren, von ihren Posten enthoben. Schulleiterin war damals Irma Hellmer.
Nun begann langsam die Wiederinstandsetzung der stark verwüsteten Schule.
Ab l. Oktober 1945 konnte der Unterricht teilweise wieder in der Schule aufgenommen werden. Religionslehrer war Pfarrer Dechant Dr. Hans Tanzer. Oberlehrer Josef Fischer kam ab 19. Oktober 1945 an die hiesige Schule.
Im Schuljahr 1947/48 gab es 323 Volksschüler und 150 Hauptschüler. Seit 31. Dezember 1945 war Hauptschuldirktor Josef Weghaupt im Dienst. Ab l. April 1945 war Josef Nikodem als Schulwart beschäftigt.
Am 29. September 1947 sprengte ein Sprengkommando der Russen in Sollenau Blindgänger von Fliegerbomben. Durch diese Sprengungen kam es zu großen Schäden in Pottendorf, besonders in der Schule gingen 230 Fensterscheiben zu Bruch.
1949 wurde die Schuljugend vor der Explosionsgefahr gewarnt, die von einem kleinen Betonbunker in der Landegger Au, dem sogenannten „Schwarzen Türl“, ausging. Dort befand sich ein Lager von 45 Panzerfäusten und 72 Granaten.
Am 4. Mai 1950 legten die russischen Soldaten im Schulgarten ein Munitionslager an, das aber später von einem Sprengkommando wieder aufgelöst wurde.
Nach dem Mai 1955 wurde die russische Besatzung von Pottendorf abgezogen.
aus: HERTZKA, Rudolf: Chronik der Grossgemeinde Pottendorf